Guide zur erfolgreichen Abschluss-Arbeit über Korea
Gewehrfeuer in der Ferne, die ständige Präsenz von Militär und endlose Zäune mit Stacheldraht begleitetenunseren Reisebus entlang der demilitarisierten Zone. Jeder im Bus schaute sich die unwirkliche Umgebung links und rechts an. Nur ich nicht. Ich fixierte die Straße, las die Schilder und machte Bilder vom Straßenbelag. Denn meine Hauptmotivation war meine Bachelor-Arbeit. Dadurch wollte ich meine Leidenschaft für Korea akademisch ausdrücken, was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht machen konnte. Weil ich denke, dass es vielen Studenten so ergeht, möchte ich hiermitmeine Erfahrung teilen und einen Guide vorstellen, der für alle Abschlussarbeiten gilt. Es soll gezeigt werden, dass es das perfekte Mittel ist zu Stipendienfinanzierten Auslandsaufenthalten, Netzwerken bis hin zu einem One-Way Ticket in Richtung Seoul.
Mein Geographie-Studium habe ich mit einer Arbeit über die Verkehrsprojekte der Deutschen Einheit und deren Übertragung auf eine mögliche Wiedervereinigung auf der koreanischen Halbinsel beendet.Um die aktuellste Literatur und für brauchbare Experten-Interviews zu bekommen,rechnete ich einen Aufenthalt in Südkorea mit ein. Deswegen bewarb ich mich bereitsim fünften Semester für ein Stipendium, welches die Anfertigung von Abschlussarbeiten im Ausland finanziell fördert. Wegen des Zeitdrucks plante ich den Aufenthalt genauestens durch.Als Ausgangspunkt hatte ich einen Kontakt bei einem Nachforschungsinstitut, den ich durch ein Praktikum dort geknüpft habe. So erhielt ich bereits von einer StelleZugang zu Fachliteratur und Experten. Neben diesen Treffen mit Experten ging es auch auf eigene Feldforschung an die Grenze zwischen beiden Koreas und zu inhaltlich relevanten Konferenzen. Ein Kontakt bringt neue Literatur oder wieder einen neuen Kontakt. Während des Aufenthaltes mit dem Schreiben der Arbeit anzufangen war eher sekundär. Informationen sammeln, sich ein Bild vom Sachstand machen undFragen stellen, das ist das Wichtigste während der Zeit in Korea. Nach meiner Rückkehr fing dann die Schreibarbeit an.
Aus dieser Erfahrung lässt sich folgender Guide für jeden mit ähnlichen Intentionen zusammenstellen: Frühe Vorbereitung ist wichtig, besonders bei Beachtung von Fristen für Stipendien und der Buchung einer Reise nach Südkorea. Fast jede Universität bietet fachunabhängig PROMOS-Stipendien an, was ein Programm zur Steigerung der Mobilität von deutschen Studierenden ist.Das Thema sollte auch gut durchdacht und frühzeitig entschieden sein. Vor dem Abflug sollte man schauen, was für Experten es auf dem jeweiligen Gebiet international und in Deutschland gibt. Diese können sich als durchaus hilfreich erweisen, um in dem Thema Fuß zu fassen und es besteht die Chance auf Vermittlung zu Kontakten in Korea.Meiner Meinung nach ist der Aufenthalt in Korea unabdingbar und Koreanisch ist ein Plus. Bei Themen, die einen Vergleich zwischen Deutschland und Südkorea in einem bestimmten Bereich darstellen, sollte man versuchen, alle Informationen zum deutschen Teil vor der Abreise gesammelt zu haben. Es muss beachtet werden, dass, anders als an den meisten Unis in Deutschland,nur Studenten der jeweiligen koreanischen Uni die Bibliothek betreten können (Eintritt durch Studentenausweis). Aber als eine gute Alternative gibt es die Nationalbibliothek auf Yeouido. Dort muss man nur seinen Reisepass zeigen und man kann dann mindestens im riesigen Archiv stöbern. Es gibt sehr viele Institute im Großraum von Seoul und irgendeine dieser unzähligen Nachforschungseinrichtungen befasst sich mit ähnlichen Themen wie die Arbeit. Sobald man also erst einmal Kontakt aufgenommen hat, erhält man Zugang zu deren Bibliothek und noch viel wichtiger: man kann sich mit Fachexperten austauschen.Die Initiative ergreifen und Kontakt suchen ist wichtig und als Vorteil erweist sich oftmals E-Mails auf Koreanisch zu schreiben, weil es einen positiven Ersteindruck bei den koreanischen Fachexperten macht. Später bei Treffen kann man auf Englisch oder Deutsch diskutieren.
Selbstverständlich beinhaltet es im Endeffekt, dass man viel mehr Energie und weitaus mehr Arbeitsaufwand als die Kommilitonen, die in der Bibliothek ein paar Bücher lesen, einsetzen muss.Dafür ist aber die Wirkung der Arbeit größer und es ergeben sich neue Türen, die einen den Weg nach Seoul eröffnen.
© Nikola Medimorec